03.04.2017

Smart Meter schwächelt bei Start, Kunden haben hohe Erwartungen

12% der Haushalte sollen heuer mit digitalen Stromzählern ausgestattet werden, das Ziel wären 70%.Kunden hoffen, damit viel Geld zu sparen. Jeder Dritte glaubt nicht an Nutzen.

Die E-Wirtschaft schwächelt noch bei der Einführung der neuen "intelligenten Stromzähler" in Österreich. Ende 2016 waren erst 5% der gut 5,5 Millionen Zähler ausgetauscht, heuer sollen es 12% werden. Damit liegt die Strombranche weit hinter dem national für 2017 fixierten Ziel von 70%.Bis 2020 sollen dann rund 80% der alten Zähler gegen neue digitale Geräte ausgetauscht werden. Das entspricht der EU-Vorgabe. 1,6 bis 1,8 Mrd. Euro kostet die Umrüstung, die den Kunden mehr Übersicht über ihren Verbrauch bringen soll.

Für ihren Rückstand bei der Installation macht die Branche wiederholt rechtliche Änderungen zu den Smart Metern verantwortlich. Jetzt erhofft man sich von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) eine Lockerung der entsprechenden Verordnung und ein Umschwenken auf den milderen EU-Zeitplan, wie die Generalsekretärin des Branchenverbandes Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, erklärte.

Die Netzgesellschaften haben die aufwendigen Ausschreibungen mittlerweile hinter sich und stehen meist kurz vor der Vergabe der Aufträge für die neuen Zähler. Bei manchen ist das Ausrollen schon voll im Gange, bei kleinen Anbietern teils schon abgeschlossen. Das größte Einzelprojekt im deutschsprachigen Raum verfolgen dabei die Wiener Netze mit dem Tausch von mehr als 1,5 Mio. Zählern. Im Westen nehmen vier Unternehmen die Umstellung gemeinsam vor, nämlich Salzburg Netz, Vorarlberg Netz und in Tirol die Tinetz und die IKB. In Summe schaffen die vier bis zu 1,2 Mio. Stück der neuen Messgeräte an und wollen bei der Umsetzung bis zu 5000 Zähler wöchentlich installieren, so Salzburg-Netz-Geschäftsführer Herwig Struber.

Datenschutz-Bedenken wies die Branche einmal mehr von sich. Ein Ausspionieren der Haushalte sei nicht möglich, und die angeblich falschen Messungen bei einem Test hätten sich auf technisch überholte Geräte bezogen.

Bereits mit den neuen "intelligenten Stromzählern" ausgestattete Kunden haben in Smart Meter übrigens hohe Erwartungen in finanzieller Hinsicht. Mehr als die Hälfte der kürzlich in Oberösterreich Befragten geht von Einsparungen von mehr als 75 Euro im Jahr aus, so eine Studie der Österreichischen Energieagentur. 26% der befragten Nutzer erwarten sich um mehr als 100 Euro geringere Stromkosten im Jahr, weitere 26% nannten 76 bis 100 Euro und für 18% müssten es 51 bis 75 Euro im Jahr sein. Experten zweifeln allerdings mitunter am großen Einsparpotenzial durch Smart Meter.

Ist noch kein Smart Meter vorhanden, überwiegt die Skepsis. An einer monatlichen Stromrechnung anstelle einer jährlichen ist gerade einmal jeder zweite Kunde interessiert. Generell sehen 31% der Stromkunden, die noch keinen Smart Meter haben, keinen Nutzen in den neuen "intelligenten Stromzählern". Nur 28% erwarten einen Nutzen. 40% hatten dazu in einer market-Umfrage keine Meinung.

<< zurück