26.03.2018

Wohin jetzt 50 Milliarden Euro fließen müssen

Bis 2030 sind für das neue Ziel der Regierung 2,4 Millionen Solaranlagen, 1700 Windräder sowie Eingriffe bei Heizung und Verkehr nötig

Mit einer extremen Steilvorlage für die Energiewirtschaft startete die neue Regierung: Bis 2030 sollen übers Jahr 100% unseres Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen kommen. Problem: Derzeit sind es 71%, und noch dazu dürfte der Verbrauch bis dahin um 20% von 73 auf 88 Terawattstunden (= 88 Milliarden Kilowattstunden) hochschnellen! Das Ziel ist schaffbar, aber schon sehr, sehr ambitioniert, meint Leonhard Schitter, vom Verband Oesterreichs Energie dazu trocken.

Wasserkraftwerke könnten durch bessere Turbinen sowie einige Neubauten statt jetzt knapp 41 Milliarden kWh dann bis zu 8 Milliarden mehr liefern. Damit ist das realistische Potenzial wohl erschöpft. Die Hauptlast liegt daher anderswo.

Bei Windrädern müssten zu den aktuell bestehenden 1200 Anlagen zusätzlich 1700 errichtet und die Produktion vervierfacht werden! Das heißt mehr und auch leistungsstärkere Windkrafterzeuger.

Vollends gewaltig, weil bislang am wenigsten ausgeschöpft, ist der Bedarf bei der Photovoltaik. Sie müsste 14 Milliarden kWh mehr beisteuern, was rechnerisch 2,4 Millionen zusätzlicher Kollektoranlagen mit üblicher Leistung bedeutet also 185.000 pro Jahr!

Die Kosten für all das dürften sich auf 50 Mrd. belaufen, eher sogar mehr. Daher braucht es klare Unterstützung der Öffentlichkeit und Rahmenbedingungen, z. B. Verfahren, die nicht 20 Jahre dauern. Und die Baustelle ist noch viel größer, ergänzt Schitter: Man redet immer von Stromwende, es geht aber nicht ohne eine ganzheitliche Energiewende, die auch Raumwärme und Mobilität einbezieht. Einige Streiflichter dazu: Die Vielzahl kleinerer Erzeuger benötigt eine Verstärkung der lokalen Verteilernetze. So werden etwa Häuser mit ihrer Photovoltaik zeitweise auch Nachbarn mitversorgen können, also quasi ein Mikro-Netz bilden. Das hat aber Konsequenzen für die wechselseitige Verrechnung.

Oder E-Autos: Ein Haushalt braucht 5-10 Kilowatt, Schnellladestationen jedoch bis zu 150 Kilowatt Spitzenleistung. Daher muss die Netzgebühr künftig nicht von der Strommenge, sondern der Leistung berechnet werden.

Weiters benötigen moderne Gas- und Wärmekraftwerke eine Renaissance, um bei Flaute bzw. Bewölkung sofort einzuspringen. Das muss auch bezahlt werden, ich rechne aber nicht, das die Konsumenten insgesamt mehr als heute für Energie ausgeben müssen.

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