08.06.2018

Zukunft erneuerbares Erdgas

Schon die Nutzung von natürlich vorkommendem Erdgas kann einen Beitrag zur Verringerung von Emissionen leisten. Der Energieträger Gas kann aber mehr ? und Österreich ist sogar Vorreiter.

HERWIG STEINKELLNER salzburg. Was ist landläufig über Erdgas bekannt? ? Überraschend wenig. Dass es bei uns hauptsächlich zum Heizen verwendet wird. Dass wir den Großteil importieren müssen. Und dass der Gaspreis wie von Geisterhand stets mit dem Ölpreis rauf- und runtergeht.

In unserer SN-Spezial-Serie wollten wir dieses Informationsdefizit etwas verringern und hinter die Kulissen eines sehr komplexen und spannenden Themas blicken, das bei der Energiewende zunehmend eine Rolle spielen wird. Großes Interesse am Thema Die vielen Reaktionen zeigen, dass das Interesse unserer Leserschaft enorm ist ? und dass es noch viel Aufklärungsbedarf gibt. Vor allem der Artikel über die Gasautos und deren Kostenvorteile ist auf großes Interesse gestoßen.

Dass zeitgleich mit unseren Berichten die Bundesregierung ein deutliches Bekenntnis abgegeben hat, zukünftig das sogenannte Grüne Gas, das aus landwirtschaftlichen Restprodukten gewonnen wird, zu forcieren, ist willkommener Zufall. Mögen nun auch Taten folgen ? in Form von F&E-Geldern, von notwendigen Steuererleichterungen und Leuchtturmprojekten.Weltweit einzigartiges Projekt Im fünften und letzten Teil unserer Erdgas-Serie stellen wir Ihnen ein bemerkenswertes Forschungsprojekt vor, das nicht nur hierzulande mit großem Interesse verfolgt wird. Worum es geht, ist spannend wie ein Krimi: Mit einer weltweit einzigartigen und innovativen Methode soll der natürliche Entstehungsprozess von Erdgas nachgebildet, aber gleichzeitig um Millionen von Jahren verkürzt werden ? Erdgeschichte im Zeitraffer. Hokuspokus? Man wird sehen ...

Gefördert vom österreichischen Klima- und Energiefonds, wurde im Projekt ?Underground Sun Storage? vorab erforscht, ob der aus erneuerbaren Energien hergestellte Wasserstoff in natürlichen unterirdischen Gaslagerstätten überhaupt gespeichert werden kann. Kurz gesagt: Ja, das funktioniert!

Mit dem Folgeprojekt ?Underground Sun Conversion? soll es nun weltweit erstmals möglich werden, Erdgas tief unten mithilfe eines mikobiologischen Prozesses in einer vorhandenen Lagerstätte auf natürliche Weise zu ?erzeugen? und dort zwischenzulagern. Seit Anfang März errichtet die RAG eine eigene Versuchsanlage in Pilsbach (OÖ, Bild unten), sie soll ab Herbst in Betrieb genommen werden.Mikroorganismen sollenErdgas erzeugen Die Grafik verdeutlicht den Projektansatz: Aus Sonnen- oder Windenergie und Wasser wird zunächst in einer oberirdischen Anlage Wasserstoff erzeugt. Gemeinsam mit CO2 , das so einem nachhaltigen Kreislauf zugeführt wird, wird dieser Wasserstoff in eine vorhandene Erdgaslagerstätte eingebracht. In über 1000 Metern Tiefe wandeln nun natürlich vorhandene Mikroorganismen diese Stoffe in relativ kurzer Zeit in erneuerbares Erdgas um, welches anschließend direkt dort in dieser Lagerstätte gespeichert, bei Bedarf jederzeit entnommen und über die vorhandenen Leitungsnetze zum Verbraucher transportiert werden kann.

?Was uns bislang an der Universität für Bodenkultur in Laborversuchen gelungen ist, werden wir nun vor Ort ? in situ ? testen?, erläutert Markus Mitteregger, CEO der RAG, die mit diesem Projekt in Fachkreisen für erhebliches Aufsehen sorgt. ?Alle bisherigen Forschungsergebnisse stimmen uns zuversichtlich, dass wir bereits in Kürze aus der natürlichen Lagerstätte Pilsbach Erdgas, das wir mithilfe von Sonnenenergie erzeugen, ernten ? also gewinnen ? können?, so Markus Mitteregger im SN-Gespräch. Die Versuchsanlage wird eine installierte Leistung von zehn Megawatt haben. Nicht viel im Vergleich zu einem kommerziellen Gasspeicher, aber immerhin vergleichbar mit der Spitzenleistung einer 65.000-Kubikmeter-Photovoltaik-Anlage.

Daten und Fakten

Beim Projekt ?Underground Sun Conversion? ergeben sich folgende drei Vorteile:CO2 -neutral er und nachhaltiger Kohlenstoff-Kreislauf: Erneuerbares Erdgas ist bei seiner energetischen Nutzung CO2 -neutral, weil zuvor CO2 in den Produktionsprozess eingebracht wird. So entsteht ein Kohlenstoff-Kreislauf. Erneuerbare Energien werden speicherbar: Die Stromgewinnung aus Sonnenenergie und Wind unterliegt wetterbedingten und jahreszeitlichen Schwankungen. Eine bedarfsorientierte Produktion ist daher nicht möglich. Das Problem der Speicherbarkeit von erneuerbaren Energien wird durch die Umwandlung in erneuerbares Erdgas gelöst. Vorhandene Infrastrukturwird genutzt: Sowohl für den natürlichen Produktionsprozess als auch für die unterirdische Speicherung in natürlichen Erdgaslagerstätten und den umweltfreundlichen Transport zum Endverbraucher kann bereits vorhandene Infrastruktur genutzt werden. Ziel des durch die RAG Austria AG initiierten Forschungsprojekts ist es, die Grundlagen zu erforschen, um in Zukunft große Mengen von erneuerbarem Erdgas CO2 -neutral produzieren und umweltfreundlich in natürlichen Lagerstätten speichern zu können und so die dringend benötige Flexibilität im Umgang mit erneuerbaren Energien zu schaffen. ?Underground Sun Conversion? wird vom Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung als Leitprojekt der Energieforschung mit 5 Mill. Euro gefördert. Projektpartner sind: Montanuniversität Leoben, Universität für Bodenkultur Wien (Department IFA Tulln), acib GmbH (Austrian Centre of Industrial Biotechnology), Energieinstitut an der Johannes-Kepler-Universität Linz, Axiom Angewandte Prozesstechnik GmbH.

?Underground Sun Conversion? ? ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt, um Erdgas in einem mikrobiologischen Prozess zu erzeugen und zu speichern.

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