08.05.2018

Bundesbahn will CO 2 -neutral werden

Noch für heuer ist der 100-Prozent-Umstieg auf Ökostrom geplant.

Die ÖBB wollen langfristig CO 2 -Neutralität erreichen und weniger Energie verbrauchen. Beim Bahnstrom soll noch heuer der 100-Prozent-Umstieg auf österreichischen Strom aus erneuerbarer Energie erfolgen, aktuell beträgt dieser Wert 92 Prozent. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace unterstütze die Bahn bei der Umsetzung mit ihrer Expertise, sagte ÖBB-Chef Andreas Matthä am Montag vor Journalisten.

Allein in den kommenden fünf Jahren sollen durch die Maßnahmen 237.700 Megawattstunden (MWh) Strom ? der durchschnittliche Jahresverbrauch von zirka 67.000 heimischen Haushalten ? eingespart werden, dazu kommen noch knapp 32.000 Tonnen CO 2 . Der Großteil der Energieeinsparung bis 2023 soll mit insgesamt 191.000 MWh beim Schienenverkehr realisiert werden. Drei Jahre lang wird Greenpeace das Projekt begleiten. Die unabhängige Nichtregierungsorganisation erhält dafür kein Geld. ?Das ist eine Kooperation auf Augenhöhe?, erklärte Greenpeace-Geschäftsführer Ale xander Egit.

Info-Kampagne für Pendler Im Fokus stehen ein Stufenplan zur Erreichung der CO 2 -Neutralität bis 2030 sowie Maßnahmen, um weniger Energie zu verbrauchen. Der Verkehr verursache rund ein Drittel aller Treibhausgase und sei damit ?der Klimakiller Nummer eins?, betonte Egit in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Matthä. Eine Bahnfahrt sei 13 Mal klimafreundlicher als die gleiche Strecke mit dem Pkw und sogar 28 Mal CO 2 -sparender als mit dem Flugzeug.

Um das langfristige Ziel der CO 2 -Neutralität zu erreichen, setzen die ÖBB unter anderem auch auf eine Informationskampagne für Pendler. Ab Juli wird so auf jedem ÖBB-Einzelticket die CO 2 -Einsparung gegenüber dem Pkw ausgewiesen. Laut Egit ergibt sich auf der Strecke Wien-Salzburg und retour beispielsweise eine Einsparung von 106 Kilogramm CO 2. . Fahrgäste bekämen so ein stärkeres Bewusstsein für die positive CO 2 -Bilanz, ist Matthä überzeugt. Außerdem sollen die mehr als 40.000 Mitarbeiter und die Kunden der ÖBB zu ?Klimahelden? werden, sagte Egit. ?In der Fort- und Ausbildung ist es wichtig, sich als Klimaschutzunternehmen zu verstehen.?

Beim Energiemix will die Bundesbahn heuer ganz auf ?grünen Strom? umstellen, der Großteil des Stroms wird dabei aus Wasserkraft gedeckt. Außerdem ist geplant, weitere Bahnstrecken zu elektrifizieren ? wie etwa Arnoldstein-Hermagor im Jahr 2019. Derzeit sind drei Viertel des ÖBB- Streckennetzes elektrifiziert. Etwa 90 Prozent der Personenzüge fahren mit Strom. Zu den restlichen 10 Prozent ? da ist Dieselantrieb im Einsatz ? zählen Bereiche, deren Elektrifizierung nicht wirtschaftlich wäre, wie zum Beispiel Bahnhöfe und der Verschub. Hier sollen alternative emissionsfreie Antriebsmodelle entwickelt werden, etwa Hybridloks. Indes soll beim ÖBB-Postbus eine neue Elektrobus-Flotte aufgebaut werden, in Kärnten startete der Probebetrieb bereits am Montag.

Eigene Photovoltaik-Anlagen Beim Energiesparen liegt ein weiterer Schwerpunkt bei der thermischen Sanierung. Die ÖBB verfügen über rund 6000 Gebäude. Zudem werden an drei Standorten neue Photovoltaik-Anlagen errichtet, die drei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern. Schon jetzt gibt es in Wilf leinsdorf eine Photovoltaik-Anlage, die ? als weltweit erste ? Bahnstrom direkt in die Bahn-Oberleitung einspeist.

Egit gab zu bedenken, dass die rechtlichen und budgetären Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden müssten, um die Ziele zu erreichen. So sei etwa Kerosin steuerbefreit, Diesel bevorzugt und der Strom der ÖBB voll besteuert.

?Hier braucht es einen fairen Wettbewerb?, so Egit. Eine Megawattstunde Bahnstrom werde in Österreich mit 15 Euro besteuert, was EU-weit der höchste Satz sei. In Deutschland sind es Matthä zufolge 11,42 Euro, in den Niederlanden, Frankreich und Spanien gar nur 50 Cent und in Schweden, Dänemark oder auch Tschechien überhaupt null Cent.

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